700 Jahre Stadt Hirschberg

1308 - 2008

Was feiern wir eigentlich im Jahr 2008?

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie wir das Ortsjubiläum im Jahr 2008 feiern, ist es vielleicht sinnvoll, einen Moment lang darüber nachzudenken, was wir eigentlich im Jahr 2008 feiern.


"700 Jahre Hirschberg" - das wäre eine schnelle und bequeme Antwort. Aber so einfach ist es eben nicht. Die ältesten menschlichen Spuren des Hirschberger Raumes finden sich auf den Feldern am Krassenberg, hin zur Schottmecke. Dort konnten in den letzten Jahre zahlreiche Feuersteinabschläge aufgesammelt werden. Die ersten nachgewiesenen 'Hirschberger' hat es somit schon in der Mittelsteinzeit, vor ca. 7000 Jahren, gegeben. Trotzdem feiern wir nicht "7000 Jahre Hirschberg".


Aus der Bronzezeit stammt ein Bronzebeil, das hier in Hirschberg gefunden wurde, es ist etwa 3000 Jahre alt. Keimzelle der Stadt Hirschberg war das Dorf Odacker. Es taucht zuerst gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf, als ein "Odacher iuxta Arnesberg", also 'Odacker bei Arnsberg'. Dieses Dorf bestand offensichtlich aus mehreren Höfen. Sonst könnte es in einem sehr wichtigen Kölner Schriftstück von ca. 1200 nicht heißen, daß es einen Hof in Odacker gibt, es wäre dann selbstverständlich von einem Hof Odacker die Rede. Auch hier wieder ein deutlicher Abstand: 1200 zu 1308.


Was aber passiert genau am 26. Juli des Jahres 1308? Der Sohn des amtierenden Arnsberger Grafen Ludwig verleiht den Bürgern von Hertesberg die Rechte der Stadt Eversberg. Wie Hirschberg damals aussah wissen wir nicht. Ob der heutige Stadtberg überhaupt bebaut war wissen wir nicht. Wieviele Einwohner im Umland gewohnt haben wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß die Gründung Hirschbergs politischen und strategischen Zielen diente. Kurze Zeit vorher waren mit Belecke und Warstein zwei Städte vom Kölner Erzbischof angelegt worden, die für den Arnsberger Grafen eine direkte Bedrohung darstellten. Gegen diese neuen kölnischen Städte wollte er seine Neugründungen stellen: Hirschberg und Bergheim (das heutige Niederbergheim). Auch für Bergheim wird Junggraf Wilhelm also in diesem Jahr eine ähnliche Urkunde ausgestellt haben, wie sie uns durch glückliche Zufälle für Hirschberg erhalten geblieben ist. Eine Stadt Bergheim hat es aber nie gegeben.
Der Grund dafür ist einfach: Der Kölner Erzbischof duldete keine Stadtgründung in Grenznähe. Und so ist uns ein - leider undatiertes Schriftstück - überliefert, in dem der Erzbischof von Köln seine Städte - darunter selbstverständlich auch Warstein - aufruft, mit Waffengewalt gegen die neuen Städte Hirschberg und Bergheim vorzugehen. So alt ist also schon die besonders herzliche Zuneigung, die Warstein und Hirschberg verbindet. Erst 1340 gestattet der Kölner Erzbischof die Errichtung der befestigten Stadt Hirschberg. So gesehen hätten wir also mit dem Jubiläum noch 32 Jahre Zeit.


Ortsjubiläen haben immer eine gewisse Willkür an sich, so auch hier. Hirschberg hatte ab 1308 Stadtrechte, aber kaum die baulichen Voraussetzungen einer mittelalterlichen Stadt. Das war aber im benachbarten Belecke und Warstein nicht anders.

Eröffnungsgedanken zum ersten Vorbereitungstreffen am 12. Oktober 2004
Stefan Enste